GESCHICHTE VON DEN LEPCHA

Sukfet (Floh) und Shyuk (Laus)

 

Die Lepcha erzählen sich folgende Geschichte: Vor langer langer Zeit waren Sukfet (Floh) und Shyuk (Laus) richtig gute Freunde. Während Sukfet schlau und boshaft war, war Shyuk von seiner Natur her schlicht und arglos.

 

 

Einmal bereiteten die beiden eine leckere Mahlzeit mit Butter zu. Das Essen roch so lecker und schaute so gut aus, dass Sukfet darüber nachdachte, wie er alles für sich haben könne. Ein Plan bildete sich in seinem Kopf und er sagt zu Shyuk:
„Wollen wir einen Wettbewerb machen und wer gewinnt, bekommt die ganze Mahlzeit?”
„Gut, wie geht der Wettbewerb?” fragte Shyuk
„Wer zuerst eine Ladung Feuerholz aus dem Dschungel bringt, wird der Gewinner sein” sagte Sukfet. Die ahnungslose Laus willigte ohne einen großen Kommentar ein.

 

 

So gingen Shyuk und Sukfet in den Dschungel um Feuerholz zu holen. Sukfet, smarter und gewandt, erreichte den Dschungel zuerst und startete sofort mit dem Sammeln von Feuerholz. Währenddessen dachte er an die leckere mit Butter gekochte Mahlzeit. Als auch die schlichte Laus den Dschungel erreichte, war Sukfet schon fast fertig mit seiner Ladung. Schnell trat er den Rückweg an.

 

 

Die langsame Laus hatte endlich auch ihre Ladung fertig und machte sich auf den Rückweg. Er war sich sicher, dass sein Freund schon das Haus erreicht hatte und dass er den Tag wohl mit einem leeren Magen beschließen würde. Aber zu seiner großen Überraschung begegnete er auf dem Weg dem Floh, der sein Bündel zusammen schnürte. Er sah ganz verwirrt und entnervt aus. Die Laus sagte nichts, sondern ging schweigsam den Pfad weiter.

 

 

Der Floh war so sicher den Wettbewerb zu gewinnen, da er gut springen und weite Distanzen zurücklegen konnte, nicht so wie die kriechende Laus. Aber er wusste nicht, dass genau diese Sprungkraft der Grund für sein Verlieren sein würde, da mit jedem Sprung und jeder Landung sein Bündel auseinander brach. So verschwendete er wertvolle Zeit, da er sein Bündel immer wieder zusammenschnüren musste. Währenddessen kroch die Laus ohne eine Pause weiter und erreichte das Haus als Erste. Siegesgewiss, da sie den Wettbewerb gewonnen hatte, machte sich Shyuk über die Mahlzeit her, aß alles auf und legte sich zu einem Nickerchen hin.

 

 

Irgendwann erreichte der erschöpfte und hungrige Sukfet mit seinem Bündel das Haus. Zu seiner fassungslosen Bestürzung und mit großem Ärger sah er seinen Freund die Laus in tiefem Schlaf, um ihn herum lauter leere Töpfe und Pfannen. Das brachte ihn so auf die Palme, dass er ganz vergaß, dass er selber den Wettbewerb angeregt hatte. Er nahm ein schwelendes Stück Feuerholz aus der Feuerstelle und schlug damit gegen die Brust seines schlafenden Freundes. Naturgemäß verletzte das die Laus sehr und sie wurde bewusstlos. Sukfet bereute sofort seine Tat und sorgte sich sehr um seinen guten Freund Shyuk. Also suchte er nach einem guten Schamanen, damit dieser ein Ritual vollführen könne um seinen Freund zu heilen.

 

Auf der Suche nach dem Schamnanen begegnete er der Kröte. Die Kröte fragte: “Wo gehst du hin, mein Freund?”

Sukfet antwortete: “Ich suche einen guten Schamanen, der meinen verletzten Freund heilt.” Die Kröte sagte: “Warum nimmst du nicht mich? Ich kann ein gutes Ritual ausführen.” Sukfet antwortete: “Super! Aber die musst mir zuerst deine Fähigkeiten beweisen.” Die Kröte antwortete “Tok Tok Tok …… Tok Tok Tok Tok!” Sukfet rief:”Nein!!!! Das bringt nichts!”

Sukfet fuhr mit seiner Suche nach einem guten Schamanen fort und begegnete der Taube. Die Taube fragte: “Wo gehst du hin, mein Freund?” Sukfet antwortete: “Ich suche einen guten Schamanen, der meinen verletzten Freund heilt.” Die Kröte sagte: “Warum nimmst du nicht mich? Ich kann ein gutes Ritual ausführen.” Sukfet antwortete: “Ok, aber die Bedingung ist, dass du ein wirklich gutes Ritual ausführen kannst.” Die Taube antwortete: “hu du du duk … hu du du duk”. Sukfet sagte: “Oh, gut.” und nahm die Schamanen-Taube mit, um das Ritual bei seinem Freund durchzuführen.

 

 

Wie es zum Brauch gehört, bot Sukfet der Taube Chi an, ein alkoholisches traditionelles Getränk. Er brachte dann seinen Freund Shyuk zur Schamanen-Taube, damit sie das Ritual ausführen könne. Die Taube aber war schon ganz betrunken und dachte, die Laus wäre etwas, was zu dem Getränk gehöre. Und aß sie auf. Nach einiger Zeit sagte die Taube zu Sukfet, dass er doch seinen verletzten Freund bringen möge für das Ritual. Sukfet entgegnete aus dem anderen Zimmer: “Er ist schon bei dir” Die Taube fragte: “Wo ist dein Freund?” Sukfet dachte, die Taube würde scherzen. Aber als er aus dem anderen Zimmer kam, sah er, dass Shyuk wirklich verschwunden war. Sukfet war super schockiert und sagte zu der Schamanen-Taube: “Ich habe doch meinen guten Freund Shyuk direkt zu dir gebracht.” “Oh wirklich, aber ich dachte, es wäre etwas zu essen, was zu dem Chi gehörte. Also habe ich es aufgegessen.” Nachdem Sukfet diese Worte gehört hatte, bekam er es mit der Angst zu tun und rannte davon, um sich im Haar einer Frau zu verstecken. Allerdings fand er es unbequem im Haar der Frau und so sprang er auf ihre Nase.

 

 

Aber da konnte er gefangen werden, obwohl er nun vor der Taube in Sichrheit war. Also sprang er der Frau auf den Busen, aber da wurde ihm so heiß, dass er auf einen Hund sprang, wo er sich sicher und behaglich fühlte.

Das ist der Grund, warum bis zum heutigen Tag viele Flöhe auf den Hunden sind, die sich vor den Schamanen-Tauben verstecken und dass es einen schwarzen Punkt auf der Brust der Laus gibt, das Zeichen, was durch das Feuerholz entstanden ist.

 

 

Aus: “The Myths of Mutanchi – Tales from Dzongu” von Sonam Wangchuk Lepcha, übersetzt von Nana Ziesche

 

Haus in Dzongu
Haus in Dzongu
Das Tal von Dzongu
Das Tal von Dzongu
Herd in einem Lepcha-Haus
Herd in einem Lepcha-Haus

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